FAMILIENFESTE – EIN PROJEKT VON ARMIN HOLZ
Premiere am 10. Oktober 2015 am Landestheater Linz




Elisabeth Vera Rathenböck
Kronen Zeitung, 12. Oktober 2015

Heftig umjubelte Premiere von »Familienfeste« in den Linzer Kammerspielen: Ein intensives Theatererlebnis

Ein ungewöhnliches, für Linz längst überfälliges Theaterprojekt, erlebte am Samstag eine heftig umjubelte Premiere in den Kammerspielen. Drei Stücke werden an einem Abend gespielt. Regisseur Armin Holz nennt seine Bühnentrilogie »Familienfeste«. Ein intensives, geniales Theatererlebnis!

Der Sohn ist todkrank, süchtig nach Leben und Liebe. Die Mutter, süchtig nach ihrem Sohn, gesteht erst unter Druck, dass die Familienverhältnisse völlig andere sind als angenommen: Missbrauch in mehrfacher Bedeutung untergräbt beharrlich die feine Gesellschaft in Henrik Ibsens aufrüttelndem Drama »Gespenster«. Als kürzeren Zwischenteil erlebt man Virginia Woolfs Gesellschaftsskizze »Mrs. Dalloway«. Dem folgt Paul Abrahams Operette »Viktoria. und ihr Husar«. Schauspiel, Sangeskunst und Choreographie vereinen sich zu einer phantastischen Zwischenkriegsoperette, die auch surreale und jazzige Elemente einbaut. Grandios die Musiker Paul Schuberth (Akkordeon) und Victoria Pfeil (Saxophon).

Armin Holz setzt auf eine umfassende Ergründung der Charaktere. Die Schauspieler bleiben kaum eindimensional. Körpersprache. Gesten, Mimik und stimmliche Varianten stellen fordernde, sehnsüchtige, abgründige, liebenswerte Figuren aus. Das packt und bringt pures Theaterglück in diesem bunten Karussell des Lebens, das, an einem Abend genossen, die Magie der Verwandlung und Leidenschaft der Spielkunst miterleben lässt – siehe dazu unser Interview.

Anne Bennent und Klaus Christian Schreiber bedienen grandios die Klaviatur einer facettenreichen Charakterpsychologie. Im bestens eingespielten Ensemble treten u. a. Stefan Matousch, Anna Eger, Oliver Urbanski und Valerie Koch auf.